Nach langen Spekulationen ist es endlich soweit: Google hat die nächste Generation seiner KI-Modelle veröffentlicht. Mit Gemini 3 Pro und dem völlig neuen Entwickler-Tool „Antigravity“ geht das Unternehmen in die Offensive.
Seit der ersten Generation setzt Google voll auf Multimodalität – das Verständnis von Text, Bild, Video und Audio. Mit Gemini 3 Pro erreicht diese Entwicklung nun ihren vorläufigen Höhepunkt. Wir hatten die Gelegenheit, die neuen Tools vorab zu testen und direkt mit der Google-Führungsebene zu sprechen. Unser Fazit: Das ist kein kleines Update, sondern ein echter Meilenstein.
Gemini 3 Pro: Ein neuer Standard in den Benchmarks
Im direkten Vergleich zum kürzlich vorgestellten GPT-5.1 und dem Vorgänger Gemini 2.5 Pro zeigt sich, dass Google hier technologisch einen gewaltigen Sprung gemacht hat. Das Modell dominiert aktuell in fast allen relevanten Tests:
- LMArena: Über 1500 Punkte (50 Punkte mehr als der Vorgänger).
- WebDev Arena (Coding): 1487 Punkte – damit fast 100 Punkte Vorsprung vor der bisherigen Nummer 1 von OpenAI.
- Mathematik (MathArenaApex): Hier erreicht Gemini 3 einen beeindruckenden „State-of-the-Art“-Wert von 23,4 %. Zum Vergleich: Die bisherige Nummer 1, Grok 4 mit Reasoning, kommt lediglich auf 5,21 %.
Aber Zahlen sind nur die halbe Wahrheit. In unseren Tests zeigte sich, dass Gemini 3 Pro besonders bei komplexen Fragestellungen und beim Erstellen von Programmcode im Gemini Canvas deutlich präziser und leistungsfähiger ist als alles, was wir bisher genutzt haben.
Ab sofort verfügbar: Wo du Gemini 3 nutzen kannst
Die beste Nachricht zuerst: Du kannst das neue Modell ab sofort selbst testen.
- Gemini Chatbot: Gemini 3 Pro ist als „Preview“ kostenlos für alle verfügbar (auch ohne Abo).
- AI Studio & API: Entwickler können das Modell sofort in ihre Anwendungen integrieren.
- Google Vertex & Enterprise: Auch für Unternehmenskunden steht das Modell bereit.
Einschränkungen und US-Features
Einige Funktionen rollt Google vorerst nur in den USA oder für zahlende Nutzer aus. Dazu gehört die Integration in die Google Suche (KI-Modus), die jetzt interaktive Simulationen programmieren kann, um Konzepte zu erklären. Auch der neue Agenten-Modus, der Aufgaben wie das Management des E-Mail-Postfachs übernimmt, ist vorerst US-exklusiv für Ultra-Abonnenten.
„Generative UI“: Wenn der Chatbot interaktiv wird
Mit dem Update führt Google spannende Experimente, sogenannte „Labs“ ein, die die Art und Weise verändern, wie wir mit KI interagieren:
- Dynamic View: Der Chatbot liefert nicht nur Text, sondern erstellt interaktive Artefakte, durch die man sich klicken kann.
- Visual Layout: Die Antworten erinnern an ein Magazin-Layout mit eingebetteten Bildern und Tabellen. Ein Beispiel aus der Demo zeigte eine Reiseplanung, bei der man interaktiv Präferenzen (Laufwege, Unterkunftsart) anpassen konnte, woraufhin sich das Ergebnis dynamisch änderte.
Diese Funktionen starten ebenfalls ab heute, werden aber eventuell noch nicht bei allen Nutzern gleichzeitig angezeigt (A/B-Testing).
Antigravity: Der neue KI-Code-Editor
Fast schon heimlich hat Google neben dem Modell auch eine komplette neue Software-Suite vorgestellt: Antigravity.
Dabei handelt es sich um einen KI-gestützten Code-Editor, der Tools wie Cursor oder Windsurf direkte Konkurrenz macht. Das ist kein Zufall: Google hat Teile des Teams und der Führungsebene von Windsurf übernommen. Das Ergebnis ist ein Editor, der „Vibe-Coding“ auf ein neues Level hebt.
Das Highlight: Der Agent Manager In Antigravity lässt sich nicht nur mit Gemini 3 Pro (oder anderen Modellen wie Claude) coden. Das Tool erlaubt asynchrones Arbeiten mit mehreren Agenten gleichzeitig.
- Beispiel: Während ein Agent ein neues Feature im Backend implementiert, erstellt ein zweiter Agent parallel Mockups für das Design – unterstützt durch die Bild-KI „Nano Banana“.
Ausblick: Deep Think kommt
Gemini 3 Pro ist aktuell als Preview verfügbar. In den nächsten Wochen sollen weitere Modelle der Familie folgen. Besonders spannend: Eine „Deep Think“-Version von Gemini 3 Pro wird derzeit von Safety Testern geprüft und soll bald für Ultra-Abonnenten erscheinen. Dieses Modell ist speziell darauf ausgelegt, bei extrem komplexen Problemen noch tiefgründigere Lösungen zu finden.
