Mega-Prompt 2: Probleme mit KI strukturiert lösen
Dieses kontinuierliche Problemlösungssystem hilft dir, offene Fragen sauber einzugrenzen, Optionen zu vergleichen und aus neuen Informationen konkrete nächste Schritte abzuleiten.
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Serie
Mega-Prompts
Teil 2 von 2
Viele KI-Antworten wirken auf den ersten Blick plausibel und helfen trotzdem nicht weiter. Das Modell greift eine naheliegende Lösung auf, obwohl wichtige Informationen fehlen, mehrere Ziele miteinander konkurrieren oder ganz unterschiedliche Wege möglich wären.
Der zweite Mega-Prompt macht aus einer einzelnen Frage deshalb einen fortlaufenden Problemlösungsprozess. Die KI trennt Fakten von Annahmen, vergleicht echte Alternativen, benennt den stärksten Einwand gegen ihre eigene Empfehlung und endet mit einem überprüfbaren nächsten Schritt.
Das Continuous Problem Solving System, kurz CPSS, ist modellneutral. Du kannst es mit ChatGPT, Claude, Gemini oder einem anderen leistungsfähigen Chatbot verwenden. Neue Informationen werden in den bisherigen Stand eingearbeitet, statt die Analyse bei jeder Nachricht neu zu beginnen.
Kurzfassung
- Das System strukturiert offene Probleme in Lage, Optionen, Empfehlung und Umsetzung.
- Fakten, Annahmen und offene Punkte werden sichtbar getrennt.
- Verschiedene Modi erlauben Kritik, eine echte Alternative, eine Entscheidungsmatrix oder einen Umsetzungsplan.
- Der Prompt verlangt keine offengelegte Gedankenkette, sondern eine knappe und überprüfbare Begründung.
- Bei wichtigen, aktuellen oder sensiblen Entscheidungen bleiben Fachwissen, belastbare Quellen und menschliche Verantwortung unverzichtbar.
Der vollständige Mega-Prompt zum Kopieren
Kopiere den folgenden Prompt in einen neuen Chat. Beschreibe anschließend dein Problem möglichst konkret oder nutze die optionalen Eingabefelder.
Du hilfst mir bei offenen Problemen und Entscheidungen mit mehreren Lösungswegen. Führe mich iterativ zu einer belastbaren Entscheidung oder einem konkreten nächsten Schritt. Fehlt entscheidender Kontext, stelle maximal 3 gezielte Rückfragen. Reichen die Angaben aus, beginne direkt. Beziehe neue Nachrichten auf den bisherigen Stand und aktualisiere Annahmen und Empfehlung sichtbar. Standardantwort Erstens: Lage: Problem, Ziel und Kriterien; trenne Fakten, Annahmen und offene Punkte. Zweitens: Optionen: 2–3 wirklich unterschiedliche Wege mit Nutzen, Aufwand, Risiken und Bedingungen. Drittens: Empfehlung: sinnvollste Option oder Testschritt, kurze Begründung, stärkster Einwand und wichtigste Unsicherheit. Und Viertens: Umsetzung: 3–5 Schritte, beginnend mit der nächsten konkreten Handlung; dazu 2–4 beobachtbare Erfolgskriterien. Steuerung MODUS: STANDARD – vollständige Analyse MODUS: KRITIK – Empfehlung, Risiken und schwache Annahmen angreifen MODUS: ALTERNATIVE – deutlich anderen Lösungsweg entwickeln MODUS: MATRIX – Optionen nach meinen Kriterien vergleichen; fehlende Gewichtungen als Annahme markieren MODUS: PLAN – Empfehlung in Ablauf, Abhängigkeiten und Kontrollpunkte übersetzen MODUS: STATUS – Fakten, Annahmen, Empfehlung und nächsten Schritt knapp zusammenfassen MODUS: NEUSTART – bisherigen Problemkontext zurücksetzen Eingaben und Regeln Optional: PROBLEM | ZIEL | KONTEXT | KRITERIEN | ZEIT | BUDGET | FORMAT Begründe knapp; gib keine langen internen Gedankengänge aus. Erfinde keine Fakten, Zahlen oder Quellen. Markiere Annahmen und prüfpflichtige aktuelle oder sensible Angaben. Mache bei einer Matrix subjektive Kriterien und Gewichtungen sichtbar. Jede vollständige Analyse endet mit einem konkreten nächsten Schritt. Wenn noch kein Problem vorliegt, frage danach. Sonst beginne direkt.
Warum eine plausible Antwort noch keine gute Entscheidung ist
Sprachmodelle sind sehr gut darin, schnell eine stimmige Antwort zu formulieren. Bei offenen Entscheidungen kann genau das zum Problem werden: Eine frühe Idee klingt überzeugend, obwohl die Kriterien noch unklar sind oder eine wichtige Alternative fehlt.
Das CPSS bremst diesen Sprung zur ersten Lösung. Es verlangt zunächst eine gemeinsame Lagebeschreibung und zwingt die sichtbare Antwort anschließend in vier Stationen. Die Struktur garantiert keine richtige Entscheidung. Sie macht aber besser erkennbar, auf welchen Fakten und Annahmen eine Empfehlung beruht.
Sichtbare Begründung statt offengelegter Gedankenkette
Der Prompt fordert ausdrücklich keine langen internen Gedankengänge. Das entspricht der aktuellen Empfehlung von OpenAI für Reasoning-Modelle: Aufgaben sollten klar und direkt formuliert werden; eine Aufforderung, die vollständige Gedankenkette auszugeben, ist in der Regel nicht nötig.
Für eine Entscheidung brauchst du stattdessen den überprüfbaren Teil: verwendete Fakten, markierte Annahmen, verglichene Optionen, eine knappe Begründung, den stärksten Einwand und die wichtigste Unsicherheit. Diese Punkte lassen sich diskutieren, korrigieren und mit Quellen abgleichen.
Die sechs Modi im Alltag
Die Modi sind einfache Texteingaben, keine technischen Befehle. Sie helfen dir, den laufenden Chat gezielt weiterzuführen:
- KRITIK ist sinnvoll, wenn eine Empfehlung zu glatt klingt oder wichtige Risiken fehlen.
- ALTERNATIVE verhindert, dass nur Varianten derselben Grundidee entstehen.
- MATRIX macht Kriterien und Gewichtungen sichtbar, ersetzt aber keine objektiven Daten.
- PLAN übersetzt eine Richtung in konkrete Arbeitsschritte und Kontrollpunkte.
- STATUS verdichtet einen längeren Chat, bevor du neue Informationen ergänzt.
- NEUSTART trennt ein neues Problem sauber vom bisherigen Kontext.
Ein kurzes Praxisbeispiel
Angenommen, ein kleines Team möchte entscheiden, ob es seine wöchentliche Kundenkommunikation als Newsletter, Video oder Webinar ausbaut. Eine spontane KI-Antwort könnte einfach einen Kanal empfehlen.
Mit dem CPSS werden zunächst Ziel, vorhandene Ressourcen, Zielgruppe, Produktionszeit und Erfolgskriterien geklärt. Danach vergleicht die KI mehrere Wege. Als Empfehlung könnte kein endgültiger Kanal, sondern ein vierwöchiger Test mit klaren Messpunkten entstehen. Im Kritikmodus lässt sich anschließend prüfen, ob der Test Aufwand, Reichweite oder qualitative Rückmeldungen falsch gewichtet.
Wann du dem System nicht allein vertrauen solltest
Der Prompt ist eine Denk- und Strukturhilfe, kein Orakel. Bei rechtlichen, medizinischen, finanziellen, sicherheitsrelevanten oder personell weitreichenden Entscheidungen brauchst du aktuelle Fachquellen und verantwortliche Menschen. Auch scheinbar konkrete Zahlen können veraltet, erfunden oder aus dem falschen Kontext übernommen sein.
Besonders hilfreich ist das System bei reversiblen Entscheidungen, Projektoptionen, Priorisierung, Konzepten und Tests. Wenn die Folgen schwer rückgängig zu machen sind, sollte die KI vor allem Fragen, Alternativen und Prüfpunkte liefern – nicht die Verantwortung übernehmen.
Fazit
Der zweite Mega-Prompt verwandelt eine offene Frage in einen nachvollziehbaren Prozess. Er verhindert nicht jede schlechte Empfehlung. Er sorgt aber dafür, dass Fakten, Annahmen, Alternativen, Einwände und nächste Schritte sichtbar werden und sich mit neuen Informationen weiterentwickeln lassen.