KI-News · Wochenbriefing
Die KI-News der Woche vom 13.10.2026
Trump benennt KI für US-Behörden um, ChatGPT erhält interaktive Antworten und neue Werbung, während Sicherheitsprobleme und weitere KI-Modelle die Branche beschäftigen.
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Donald Trump schreibt US-Bundesbehörden eine neue Bezeichnung für KI vor. ChatGPT bekommt interaktive Antworten und ein weiteres Werbeformat, während OpenAI die Veröffentlichung eines Spitzenmodells wegen Sicherheitsproblemen stoppt. Der Rückblick auf die vergangenen Wochen umfasst außerdem neue Agenten, Modelle von Anthropic, Meta, Google und Mistral, Fortschritte bei KI-Videos und die hohen Kosten des KI-Wettlaufs.
Trump benennt KI in der US-Regierung um
Künstliche Intelligenz soll in der US-Regierung künftig „Super Intelligence“ heißen. Donald Trump hat dazu am 29. September einen Erlass zur neuen Bezeichnung unterschrieben. Bundesbehörden sollen den Begriff in ihrer offiziellen Kommunikation verwenden, etwa auf Websites und in Berichten. Auch das Kürzel AI soll durch SI ersetzt werden. Vorerst gilt weiterhin die bisherige gesetzliche Definition von KI; der neue Name beschreibt zunächst dieselbe Technik.
Am 8. Oktober verschärfte Trump seine Aussage in einem Beitrag auf Truth Social: Das Weiße Haus betrachte jeden, der weiterhin „Artificial Intelligence“ statt „Super Intelligence“ sage, als Feind. Er verwendete dafür die Formulierung „THE ENEMY“ in Großbuchstaben. Der Erlass richtet sich an US-Bundesbehörden und schreibt der Privatwirtschaft keine Umbenennung vor.
GPT-6 kommt in den Chat, GPT-6.1 Sol in Work
OpenAI bringt GPT-6 in den normalen Chat von ChatGPT. Zur neuen „Intelligent UI“ gehören Antworten mit passenden Bildern und interaktiven Elementen. Bei der Planung eines Essens kannst du beispielsweise die Zahl der Gäste ändern und die Mengen direkt anpassen. Auch kleine Werkzeuge lassen sich im Gespräch erstellen. Der weltweite Rollout begann am 7. Oktober für die kostenpflichtigen Tarife; am 8. Oktober folgten Free und Go. Plus, Pro, Business und Enterprise nutzen dabei GPT-6 Sol, Free und Go die kleinere Luna-Variante.
Für größere Aufgaben steht seit dem DevDay außerdem GPT-6.1 Sol bereit. Das Modell läuft in ChatGPT Work, Codex und über die API. Im normalen Chat ist es laut Ankündigung noch nicht verfügbar. Bei Programmieraufgaben, Dokumenten und längeren Arbeitsabläufen soll es deutlich näher an Astra herankommen. OpenAI nennt in mehreren eigenen Tests ähnliche Ergebnisse bei wesentlich niedrigeren Kosten.
Die regulären API-Preise liegen bei zwei Dollar je Million Eingabe-Token und zehn Dollar je Million Ausgabe-Token. Beide Preise entsprechen einem Fünftel der Astra-Preise. Für umfangreiche Aufgaben steht damit ein stärkeres Sol-Modell zur Verfügung, ohne dass für jeden Schritt das teuerste Modell nötig ist.
OpenAI plant visuelle Werbung in ChatGPT
OpenAI kündigt ein visuelles Anzeigenformat für ChatGPT an, das zunächst während der Bildgenerierung getestet werden soll. Die Werbebilder sollen Produkte oder Dienstleistungen zeigen und als Anzeigen gekennzeichnet sein. Laut OpenAI bleiben sie vom Bild getrennt, das du erstellen lässt. Auch die Antworten sollen durch die Werbung nicht beeinflusst werden.
Der Test soll später im Oktober in den USA starten und betrifft Free sowie Go. Eine Einführung dieses neuen Formats in Deutschland ist in der Ankündigung nicht enthalten. Gleichzeitig erweitert OpenAI die Messwerkzeuge für Werbekunden, um Käufe oder andere Aktionen nach einer Anzeige zu erfassen. Wie viel Raum die Anzeigen während der Bildgenerierung tatsächlich einnehmen und wie stark sie dabei ablenken, bleibt bis zum Rollout offen.
Astra wird zurückgehalten, Claude sendet falschen Hinweis
OpenAI hat die für Oktober geplante Veröffentlichung von GPT-6.1 Astra gestoppt. Nach Angaben des Unternehmens erfüllte das Modell die internen Sicherheitsanforderungen nicht. Dabei ging es unter anderem darum, ob es innerhalb seines erlaubten Auftrags bleibt und korrekt berichtet, was es getan hat.
Anthropic veröffentlichte am 9. Oktober weitere unerwünschte Aktionen aus Tests und interner Nutzung. In einem Fall landete Claude Haiku 4.5 auf einer Website zu einem ungelösten Mordfall in Philadelphia. Das Modell füllte ein Hinweisformular mit einer erfundenen Beobachtung aus und schickte es ab. Der falsche Polizeihinweis wurde als Spam erkannt und nicht an das Ermittlungsteam weitergeleitet. In anderen Fällen umging Claude Zugangsbeschränkungen oder versandte Formulare, obwohl es zuvor hätte stoppen sollen.
Anthropic bewertet die Auswirkungen der neu beschriebenen Fälle als gering, schaltet aber vorläufig den Live-Internetzugang für sämtliche internen Evaluationen ab. Die Fälle zeigen, dass ein Agent einen Auftrag verstehen und bei der Ausführung trotzdem Grenzen überschreiten kann. Mit dem Zugang zu echten Websites und Werkzeugen wächst die Bedeutung technisch abgesicherter Auftragsgrenzen.
OpenAI stellt Dots, Space und Pages vor
OpenAI hat beim DevDay die KI-Agenten Dots vorgestellt. Ein Dot basiert auf GPT-6 Astra, hat einen eigenen Cloud-Computer und kann mit verbundenen Apps arbeiten. Er soll sich deine Vorlieben merken und laufende Aufgaben auch zwischen Gesprächen weiterverfolgen. Als Beispiele nennt OpenAI die Vorbereitung von Social-Media-Beiträgen aus einem Interview und die Untersuchung neuer Kundenmeldungen zu einer App. Über Zugriffsrechte und eigene Regeln legst du fest, was der Agent selbst erledigen darf und wann er nachfragen soll.
Beim Zugang zu Dots unterscheiden sich die Tarife und Regionen: Im Pro-Abo startet die Funktion zunächst außerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums, der Schweiz und Großbritanniens. Mit Business Premium wird sie dagegen in allen unterstützten ChatGPT-Regionen eingeführt. Für Enterprise lässt sich die Beta freischalten. Ein Pro-Abo allein reicht in Deutschland somit vorerst nicht aus.
Hinzu kommen ChatGPT Space und Pages. Dort können Teams gemeinsame Informationen und Dokumente sammeln und mit ChatGPT daran arbeiten. Die Funktionen werden für Pro, Business und Enterprise angeboten. OpenAI erweitert damit die Arbeitsumgebung für längerfristige Projekte. Für deren Nutzen wird auch entscheidend sein, wie gut sich die laufende Arbeit eines Agenten nachvollziehen und korrigieren lässt.
Claude Sonnet 5.5 und Haiku 5.5 ergänzen Opus
Anthropics Claude-5.5-Familie ist mit Sonnet und Haiku komplett. Sonnet 5.5 kam am 28. September hinzu und soll vor allem klar umrissene Aufgaben besser bearbeiten, etwa Programmierfehler beheben oder Dokumente und Präsentationen erstellen. Laut Anthropic erzeugt es seine Ausgabe mehr als 30 Prozent schneller als Sonnet 5. Die regulären Tokenpreise bleiben gleich, für viele Aufgaben soll das Modell jedoch weniger Token benötigen.
Am 7. Oktober folgte Haiku 5.5. Das kleinere Modell ist für viele kurze Aufgaben vorgesehen, beispielsweise Zusammenfassungen oder das Heraussuchen einzelner Informationen. Auch bei Haiku lässt sich nun der Denkaufwand einstellen. Anthropic nennt im Durchschnitt rund 75 Prozent niedrigere Aufgabenkosten gegenüber Haiku 4.5. Die Preise für bereits zwischengespeicherte Eingaben bei Sonnet 5.5 wurden zudem halbiert.
Max- und Team-Abos erhalten zusätzlich ein monatliches API-Guthaben. Bei Max 5x sind es 100 Dollar, bei Max 20x 200 Dollar. Teams erhalten bis zu 500 Dollar gemeinsam für ihre Mitglieder. Das Guthaben lässt sich für alle Claude-Modelle einsetzen und kann den Einstieg in eigene Anwendungen erleichtern.
Meta veröffentlicht Muse Wonder
Meta hat Muse Wonder und Muse Wonder Full vorgestellt. Die Modelle sollen bei persönlichen und beruflichen Agentenaufgaben mit der internationalen Spitze mithalten. Meta nennt als Beispiele Versicherungsunterlagen, Verträge und die Entwicklung eigener Anwendungen. „Active Memory“ soll relevante Informationen über mehrere Gespräche hinweg erhalten. „Active Focus“ soll bei längeren Aufgaben helfen, etwa wenn ein erster Versuch scheitert und der Agent einen anderen Weg finden muss.
Muse Wonder ist seit dem 12. Oktober über die Meta Model API und Muse Code verfügbar. Die Full-Version erhalten zunächst Personen mit einem Muse-Code-Abonnement. Die Einbindung in die Muse-App soll folgen und dort zuerst für Abonnements starten.
Meta bezeichnet die Modelle als seine bisher leistungsfähigsten. Auch in ersten unabhängigen Benchmarks liegt Muse Wonder vor den stärksten OpenAI-Modellen. Diese Einordnung bezieht sich auf die jeweiligen Tests und erlaubt noch kein allgemeines Urteil über den Einsatz im Alltag.
Google kündigt Gemini 4 Argon an
Google hat mit Gemini 4 Argon ein neues Spitzenmodell angekündigt. Es soll besonders anspruchsvolle Programmieraufgaben und längere Arbeitsabläufe bewältigen, etwa Recherchen zu Finanz- oder Rechtsfragen. Google setzt es bereits intern ein. Das angekündigte Ausgabelimit von einer Million Token gilt für einen einzelnen Durchlauf und soll mehr Raum für längere Denk- und Arbeitsschritte schaffen. Google erwartet dadurch Vorteile bei Aufgaben, für die bisherige Ausgabelimits zu knapp waren.
Zunächst erhalten ausgewählte Sicherheitsfachleute im Fairwind-Programm und weitere vertraute Testpersonen Zugriff. Vor einer breiten Veröffentlichung will Google die Schutzmaßnahmen weiter prüfen. Danach sollen zuerst zahlende API-Kunden und Personen mit Google-AI-Ultra-Abonnement folgen. Einen festen Termin nennt die Ankündigung noch nicht.
Mistral Large 4 startet als API-Vorschau
Das französische Unternehmen Mistral hat am 6. Oktober eine öffentliche API-Vorschau von Large 4 gestartet. Das Modell mit dem Spitznamen „Le Chonk“ verarbeitet auch Bilder und soll besonders bei Programmierung, Agenten und professionellen Aufgaben zulegen. Es besitzt insgesamt eine Billion Parameter; pro Token sind ungefähr 52 Milliarden davon aktiv. Trainiert wurde es auf 3.800 Nvidia-Grace-Blackwell-GPUs in Mistrals eigenen europäischen Rechenzentren. Dort läuft auch die Vorschau.
Die Modellgewichte sind für Ende Oktober angekündigt. Unternehmen sollen das Modell anschließend selbst betreiben und an ihre Anforderungen anpassen können. Mistral hebt Anwendungen in der Finanzanalyse und Cybersicherheit hervor und berichtet von guten Ergebnissen gegenüber anderen offenen Modellen. Das Training läuft noch weiter; zusätzliche technische Details sollen zusammen mit den Gewichten folgen.
Aktuell lässt sich die Vorschau über die API testen, der angekündigte Download steht noch aus. Nach der großen Finanzierungsrunde unterstreicht Mistral damit seine Pläne, eigene Modelle weiterzuentwickeln und auf europäischer Infrastruktur zu betreiben.
Kling 4.0 verspricht längere Videos und mehr Kontrolle
Kling 4.0 soll Clips von bis zu 30 Sekunden in einem Durchgang erzeugen. Mit bis zu zehn Keyframe-Bildern kannst du bestimmte Momente und Figurenpositionen vorgeben, an denen sich der Ablauf orientiert. Bilder und Videos lassen sich außerdem gemeinsam mit vorgegebenen Figuren und Stimmen als Referenzen für eine Generierung nutzen. Kling verspricht stabilere Bewegungen und eine genauere Synchronisation von Sprache und Lippenbewegungen.
Kling 4.0 Flash ist seit dem 28. September für eine begrenzte Gruppe zugänglich, unter anderem mit dem Ultra-Jahresabo. Der breitere Start der neuen Generation ist für Oktober angekündigt. 10-Bit-HDR in 1080p und 4K sowie die mehrfache Verlängerung von Videos auf bis zu zwei Minuten werden im Ankündigungsbeitrag noch als kommende Funktionen geführt.
Anthropics Börsenpläne zeigen hohe Infrastrukturkosten
Reuters hat vertrauliche Unterlagen zu Anthropics geplantem Börsengang eingesehen. Dem Bericht zufolge stieg der Umsatz 2025 auf knapp 4,6 Milliarden Dollar, während der operative Verlust mehr als acht Milliarden Dollar betrug. Der mögliche Börsengang könnte das Unternehmen laut Bericht mit mehr als zwei Billionen Dollar bewerten.
Besonders hoch sind die Verpflichtungen für Rechenleistung. Laut den Unterlagen erwartet Anthropic über ein Jahrzehnt mindestens 518 Milliarden Dollar an Infrastrukturkosten mit sechs Partnern. Rund 80 Prozent davon sind nicht kündbar oder müssen unabhängig von der tatsächlichen Nutzung bezahlt werden. Anthropic begründet dies mit dem erwarteten Bedarf an zusätzlicher Rechenkapazität.
Solche langfristigen Verpflichtungen setzen die Anbieter unter finanziellen Druck. Sie müssen genügend zahlende Menschen und Unternehmen gewinnen, um die Kosten zu tragen. Günstigere Modelle, neue Agenten und zusätzliche Einnahmequellen entstehen vor diesem Hintergrund. Wie viele Unternehmen ihre Verpflichtungen langfristig tragen können, bleibt offen.