Seit dem 06. Juni 2024 haben wir in Deutschland Zugriff auf ein neues, experimentelles KI-Tool von Google bekommen, das wir mit Spannung erwartet haben und in dem wir wirklich viel Potenzial sehen: NotebookLM.
Letztes Update: 07.11.2024
NotebookLM kommt jetzt mit einem neuen, übersichtlicheren Design und hat den Beta-Status verlassen. Die neue Podcast-Funktion funktioniert auch auf Deutsch und weitere, spannende Neuerungen sind schon in der Pipeline.
Ganz einfach gesagt ist NotebookLM die Möglichkeit sich ohne Vorkenntnisse eine eigene Umgebung mit Quellen aus Textdokumenten oder Websites zu bauen und dann mithilfe von Künstlicher Intelligenz diese Quellen zu befragen, Zusammenfassungen, FAQs oder sogar Podcasts (auch auf Deutsch) zu erzeugen.
Alles, was wir brauchen, um das Tool zu nutzen ist ein Browser und einen kostenlosen Google Account.
So verwendest du Google NotebookLM
Das neue KI-Tool von Google findet man unter notebooklm.google.com und dort muss man sich nur mit dem eigenen Google-Konto anmelden, falls man nicht sowieso schon eingeloggt ist. Dann kommen wir auch schon direkt zur Startseite oder dem Dashboard.
Ein guter Tipp ist es, sich hier direkt mal das „Introduction to NotebookLM“ Notebook, das für uns schon angelegt ist, anzuschauen. Ein Klick auf die Kachel öffnet dieses vorgelegte Projekt und man kann direkt ein bisschen mehr darüber lernen, wie das Tool eigentlich funktioniert. Die eigentlichen Informationen sind Englisch, aber der Chat, den man nutzen kann, um die KI sozusagen über sich selbst auszufragen funktioniert natürlich auch komplett auf Deutsch und übersetzt uns alles wunderbar.
Dann wollen wir aber natürlich auch selbst loslegen und über den Schriftzug NotebookLM oben auf der Seite kommen wir zurück zum Dashboard und klicken dort auf die Schaltfläche „Neu erstellen“.
Da das neu erstellte Notebook noch gar keine Informationen beinhaltet, müssen wir als erstes Quellen hinzufügen. Dafür haben wir aktuell folgende Möglichkeiten:
- Dateien aus Google Drive verlinken
- PDF-Dateien vom Computer hochladen
- Textdateien vom Computer hochladen
- Den Text aus unserer Zwischenablage einfügen
- Eine Website-URL eingeben
- Ein YouTube-Video verlinken
Sobald wir Quellen hinzugefügt haben, wird automatisch der Notebook Leitfaden geöffnet und gibt uns Informationen über die bereitgestellten Quellen mit einigen Optionen für erste Schritte.
Fragen im Chat von NotebookLM stellen
In unserem Notebook mit vorhandenen Quellen können wir jederzeit den Chat nutzen, um Fragen zu unseren Daten zu stellen. Dazu haben wir unten ein Eingabefeld für Prompts. Sobald ich eine Frage eingebe und abschicke, durchsucht die KI die Quellen und erzeugt darauf basierend eine Antwort.
Normalerweise wird NotebookLM immer alle existierenden Quellen für Antworten im Chat heranziehen. Es besteht aber auch die Möglichkeit, das einzuschränken. Dazu müssen wir nur in der linken Seitenleiste das Häkchen bei den Quellen entfernen, die wir nicht nutzen möchten. Links neben dem Eingabefeld des Chats steht auch immer, wie viele Quellen aktuell verwendet werden.
Inhalte mit dem Notebook Leitfaden generieren
NotebookLM kann aber auch Inhalte auf Grundlage unserer Quellen erstellen. Dazu öffnen wir den Notebook Leitfaden über die Schaltfläche neben dem Eingabefeld für den Chat.
Aktuell können wir hier fünf verschiedene Arten von Inhalten erzeugen:
- Häufig gestellte Fragen (FAQ)
- Arbeitshilfe (Lernhilfen mit Quizfragen und Antworten)
- Ein Inhaltsverzeichnis
- Eine Zeitachse
- Ein Briefingdokument (Alle wichtigen Informationen kompakt)
KI-Podcasts mit NotebookLM erstellen (auch auf Deutsch)
Ganz neu ist die sechste Option, die auf der rechten Seite zu sehen ist: Das Erstellen eines KI-Podcasts, der die hinzugefügten Quellen in einem lockeren Gesprächsformat aufbereitet. Das klingt erst einmal nach Spielerei, aber ist eine super coole Möglichkeit auch viele, komplexe Inhalte leicht verdaulich aufzubereiten.
Wir haben speziell zu dieser Podcast-Funktion auch ein eigenes YouTube-Video, in dem genau erklärt wird, wie man das Maximum herausholen kann, die Hosts in eine bestimmte Richtung lenken und vor allem auch deutsche Podcasts erstellen kann.
Mittlerweile gibt es auch die Möglichkeit den Podcast vor der Erstellung anzupassen und verschiedene Anweisungen an die Hosts zu geben.
Über die Anweisungen im Anpassen-Menü von NotebookLM kann man verschiedenste Anweisungen an die KI-Hosts geben:
- Sprachniveau: An welches Publikum richtet sich der Podcast? Profis oder Laien?
- Fokus: Gibt es bestimmte Themen aus den Quellen, auf denen der Fokus liegen sollte?
Über diese Funktion können wir übrigens auch deutsche KI-Podcasts erzeugen, dazu verwenden wir die folgende Anweisung:
Erstellen von Notizen aus generiertem Material
Alle schriftlichen Inhalte, die wir in unserem Notebook generieren werden automatisch als sogenannte „gespeicherte Antworten“ in unserem Notebook angezeigt. Dort können wir die Information jederzeit wieder aufrufen.
Wir können neben den über diese Shortcuts auf dem Notebook Leitfaden erzeugten Inhalte hinaus aber auch alle Antworten im Chat von NotebookLM als solche Notizen speichern. Dazu müssen wir nur bei der jeweiligen Antwort auf das Icon mit dem Pin klicken und damit fügen wir diese Antwort als gespeicherte Antwort zu unserem Notebook hinzu.
Unterschiede zwischen gespeicherten Antworten und manuellen Notizen
Gespeicherte Antworten können wir nicht manuell bearbeiten. Auch dafür gibt es aber eine Möglichkeit und das sind schriftliche Notizen, die wir über die Schaltfläche mit dem Titel „Notiz hinzufügen“ erstellen können.
Hier bekommen wir dann einen einfachen Text-Editor mit den grundlegenden Optionen für Formatierung und Schriftgrößen und können eigene Notizen erstellen, die wir dann wiederum als Grundlage für Chats und Arbeit mit der KI verwenden können.
Der Unterschied zwischen gespeicherten Antworten und schriftliche Notizen unterscheiden sich dabei rein darin, dass die gespeicherten Antworten eben nicht bearbeitet werden können.
Notebooks freigeben und mit anderen Personen zusammenarbeiten
Eins der coolsten Features von NotebookLM ist es, dass wir Notebooks auch freigeben können und so mit anderen Personen kollaborieren. Dazu müssen wir nur im entsprechenden Notebook auf die Schaltfläche „Freigeben“ klicken.
Hier können wir dann Email-Adressen eintragen und festlegen, welche Rechte die Person bekommt. Betrachter können das Notebook einfach nur einsehen und Fragen stellen. Bearbeiter können auch selbst Quellen hinzufügen und neue Notizen erstellen, manuell und gespeicherte Antworten.
Limits und Einschränkungen bei NotebookLM
Man kann in NotebookLM sehr viele, sehr große Quellen innerhalb nur eines Notebooks verwenden. Laut Angaben von Google zum aktuellen Zeitpunkt sind pro Notebook bis zu 50 Quellen möglich.
Eine Quelle ist beispielsweise ein PDF, oder eine URL auf einer Website.
Jede Quelle kann aber bis zu 500.000 Wörter umfassen und das ist wirklich jede Menge. Rein theoretisch kann man also einen Text mit einer Gesamtlänge von 25 Millionen Wörtern in einem Notebook verwenden. Je mehr Daten hier verwendet werden, desto länger werden aber laut ersten Erfahrungsberichten auch die Antwortzeiten.
Auch bei der Anzahl der Notebooks, die wir erstellen können ist Google aber großzügig. Ein User kann bis zu 100 Notebooks in einem Account haben. Dass wir das alles aktuell kostenlos einfach so extensiv nutzen können ist wirklich cool und ich denke es gibt jede Menge richtig spannende Anwendungsmöglichkeiten, egal ob Abschlussarbeit oder Projektmanagement.
Update mit multimodalen Fähigkeiten dank Gemini 1.5 Pro
Seit dem Update vom Juni, mit dem wir auch den Zugriff in Deutschland bekommen haben ist NotebookLM übrigens auch in der Lage Bilder aus beispielsweise einer Google Slides Präsentation, die als Quelle angegeben ist mit Computer Vision zu verstehen und Informationen daraus zu extrahieren.
Auch Bilder, die in Dokumenten von Google Docs enthalten sind, werden laut Google richtig erkannt und können der KI Informationen liefern, die in Antworten und erstellen Inhalten verwendet werden.
Zusammengefasst
Fassen wir kurz nochmal zusammen, was das neue KI-Tool von Google für uns machen kann. Wir können verschiedene Notebooks erstellen und diese dann mit unseren Quellen befüllen, egal ob in Textform oder Informationen von Websites. Danach haben wir eine KI mit dem Gemini 1.5 Pro Modell, die mit unseren Informationen arbeiten kann – etwas, das sich viele immer wieder gewünscht haben.
Und man muss schon sagen: Auch wenn wir von Google keine offizielle Angabe dazu gefunden haben, ob NotebookLM mit RAG, sogenannter Retrievel Augemented Generation arbeitet, scheint das Tool sehr zuverlässig darin zu sein, wirklich nur die bereitgestellten Quellen für Ausgaben zu verwenden.
Retrieval Augmented Generation ist ein Ansatz im Bereich KI, der dafür sorgen soll, dass eine generative KI, wie beispielsweise ein Chatbot, nur Informationen aus vom User bereitgestellten Daten wiedergibt.
Echte RAG kann aber sehr komplex in der Umsetzung sein, bzw. Auch teuer, deshalb sind wir als “normale Personen” außerhalb von beispielsweise Unternehmen mit ensptrechender Infrastruktur und entsprechendem Budget auf fertige Lösungen angewiesen. Und da muss man sagen: Die haben bis jetzt immer eher durchwachsen funktioniert.
Wir hatten ja den Ansatz bei den Custom GPTs von ChatGPT aber selbst mit mehreren expliziten Hinweisen, dass die von uns hochgeladenen Daten als WIssensquelle verwendet werden sollen, ist GPT doch immer mal wieder davon abgewichen und hat selbst Dinge dazugedichtet.
Bei NotebookLM haben wir in allen unseren Tests die Erfahrung gemacht, dass sich wirklich konsequent an die vorgegebenen Informationen gehalten wurde – abgesehen von Fällen, in denen man explizit die Kreativität der KI einfordert. Ich habe ein Beispiel gesehen, in dem ein Autor ein Skript als Quelle hatte und dann passend zur bisherigen Story Vorschläge für andere Charaktere und Storybögen generiert hat. Aber auch hier ist der enge Bezug zum Ausgangsmaterial aber wichtig.
Ob die Verwendung von NotebookLM für immer in diesem umfangreichen Rahmen kostenlos bleiben wird ist aktuell offen – wir vermuten eher, dass es bald striktere Limits oder sogar bezahlte Pläne geben könnte. Also am Besten direkt jetzt einmal unter notebooklm.google.com ausprobieren, solange es noch so einfach und gratis funktioniert.